Ab heute bin ich Berufsschullehrerin!
Der Weg ins Klassenzimmer führt über Hildesheim.

 
 
 

Wer ist das eigentlich, der da die Landwirte der Zukunft ausbildet? Das sind Menschen wie ich – Ende 30, verheiratet, 2 kleine Kinder. Meine Schwiegereltern haben einen Milchviehbetrieb im beschaulichen Harriehausen in Südniedersachsen. Mein Mann und ich stehen in engem Kontakt zum Betrieb, übernehmen diesen jedoch nicht. Als Alternative bot sich mir der Weg an die Berufsschule. Ein abgeschlossenes Studium der Agrarwissenschaften und die erforderlichen 52 Wochen Praxiserfahrung habe ich – warum also nicht?!

Der erste Schritt war für mich die Bewerbung im Onlineportal des Landes Niedersachsen für den Quereinstieg. Hier wurde auch entschieden, dass ich während meines Studiums ausreichend Credit Points für das Zweitfach Biologie gesammelt habe. Im November 2020 konnte ich somit meinen Vorbereitungsdienst für das Berufsschullehramt beginnen.

Voller Tatendrang stand ich nun da und fühlte mich als Quereinsteiger erstmal sehr verunsichert, zu Unrecht wie sich später zeigte. Nach einer kurzen Einführung führte jeden Referendar der Weg direkt in die Berufsschulen. Mich führte es nach Northeim an die Berufsbildende Schule II. Dort habe ich 18 Monate lang unterrichtet. Die ersten drei Monate begleitete ich ausgebildete Lehrkräfte im Unterricht, habe einzelne Stunden selbst unterrichtet und nach und nach Klassen übernommen. Für mich war es ein glücklicher Zufall, dass „meine Klassen“ fast alles Abschlussklassen waren und trotz Corona-Lockdown in der Schule in Präsenz unterrichtet werden durften. An vier Tagen in der Woche habe ich in der Schule oder digital von zu Hause unterschiedliche Klassen in den verschiedenen Gebieten der Landwirtschaft und in Biologie unterrichtet. Mittwochs hatte ich meist von 9:00 bis 17:00 Uhr Seminar. Im Seminar wurde mir in den Bereichen Pädagogik, Biologie und Agrarwirtschaft das Handwerkszeug der Berufsschullehrerin beigebracht. Angefangen vom eigenen Menschenbild und Auftreten in der Schule, über den wertschätzenden Umgang mit den Schülerinnen und Schülern, dem Aufbau einer Unterrichtseinheit und einer einzelnen Stunde, der Anwendung von Sozialformen wie Einzelarbeit oder Gruppenarbeit bis hin zu der Verwendung unterschiedlicher Methoden wurden wir ausgebildet. Regelmäßig fanden Besuche der Fachleiterinnen in meinem Unterricht statt. Diese landauf landab gefürchteten Unterrichtsbesuche stellten sich als gewinnbringende Beratungsgespräche heraus. Hier wurde geschaut, wo meine Stärken liegen und in welchen Bereichen eine Beratung sinnvoll ist. Zu jedem Unterrichtsbesuch wurden Zielvereinbarungen formuliert, so hatte ich jederzeit einen Überblick über meine eigene Entwicklung.

Der Vorbereitungsdienst sollte auch als solcher verstanden werden – die Vorbereitung auf den Schuldienst. Die im Seminar kennengelernten Methoden können direkt bei den Schülerinnen und Schülern erprobt werden. Die Rückmeldung bekommt man insbesondere bei landwirtschaftlichen Klassen immer sehr direkt und offen. So gestaltete sich für mich der Unterricht in allen Klassen, ob Lehrlinge zum Landwirt oder Landwirtin oder Vollzeitschüler der Fachoberschule oder der Einjährigen Fachschule Landwirtschaft, alle Schülerinnen und Schüler zeigten sich als wissbegierig und freundlich. Hier bewahrheitete sich, dass das eigene Verhalten von den Schülerinnen und Schüler zurückgespiegelt wird.

von Christin Wacker
(Lehrerin an der Michelsen-Schule in Hildesheim)

 

 

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